BAD BOY KUMMER

BAD BOY KUMMER



Titel: BAD BOY KUMMER
Autor: Gimes, Miklós
Datum: 2010
Type: video
Abstract: „Wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden.“ – Dieses italienische Sprichwort von Giordano Bruno könnte das Lebensmotto des einstigen Stars der gefälschten Hollywood-Interviews, Tom Kummer, wiedergeben. Er traf Sharon Stone, Sean Penn oder Bruce Willis zu langen, ernsthaften Gesprächen, die alle erfunden waren. Vier Jahre lang belieferte der Schweizer Journalist Kummer seriöse Publikationen in Deutschland und der Schweiz, wie das Magazin der Süddeutschen Zeitung oder das Magazin des Zürcher Tagesanzeigers, bis er aufflog. Heute arbeitet er als Tennislehrer in Los Angeles. Kummer hat alle über den Tisch gezogen: Die Medien, die Stars, und vielleicht auch sich selbst. Beeindruckend bei jeder womöglich negativen Bewertung seines Tuns ist jedoch die akribische Recherche, die wieder zurück zum eigentlichen Berufsethos des Journalisten führt. Denn wo schon das Interview selbst gefälscht war, hat Kummer sich doch ausgiebig mit der Person und ihren Lebensumständen auseinandergesetzt, um so eine möglichst realistische Wiedergabe zu gewährleisten. Interessant ist auch zu sehen, wie lange die Redaktionsmaschinerie seinen Geschichten glauben schenkte bzw. schenken wollte, denn oft wirkt es so, als wollte man gar nicht zu genau nachfragen, hinsehen. BAD BOY KUMMER zeichnet ein sehr differenziertes Portrait, das den Protagonisten ganz unbeschönigt in seiner Uneinsichtigkeit zeigt. Diese Haltung lässt nicht ganz unberührt vor dem Hintergrund, dass auch anderer Menschen Karriere und Leben unter seinem Betrug litten, wie das der beiden ehemaligen Chefredakteure des SZ Magazins, Ulf Poschardt und Christian Kämmerling, die entlassen wurden, nachdem der Schwindel aufgeflogen war. Dementsprechend changiert die Zeichnung Kummers zwischen Hochstapler und tragischer Figur. Wie immer man auch zu dieser dem Journalistenpathos widersprechenden Berufsausübung stehen mag, Kummers Haltung regt jedenfalls zum Nachdenken an: Die von ihm im Fake-Interview wiedergegebenen Hollywood-Stars sind seiner Ansicht nach in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung viel zu unwichtig, als dass er hätte Schaden anrichten können. Denn schließlich seien diese ja zur Unterhaltung da – und nichts anderes bezwecke er angeblich mit seinen Veröffentlichungen. BAD BOY KUMMER ist ein Film über das weggeworfene Leben eines großen Talents. Und über die Frage, was Wahrheit ist.
Extent: 01:32:00
URI: http://hdl.handle.net/10858/14326

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