Der Videopionier

Der Videopionier



Title: Der Videopionier
Author: Conradt, Gerd; Büscher, Michaela-Elisabeth; u.a.
Date: 1983
Type: video
Abstract: Das Videoband erzählt sechs Geschichten aus einem Sanierungsstadtteil (Berlin-Charlottenburg). Die sechs Geschichten portraitieren sechs Personen. Eine alte Dame, einen Architekten, einen Videopionier, eine Verkäuferin, einen Politiker, den Sprecher der Mieterinitiative und seine Frau. Schwarz/weiß Aufnahmen von 1973 zeigen die Verwicklung und den Kampf der einzelnen Personen zu Beginn der Sanierung. 1983 werden die gleichen Personen mit dem alten schwarz/weiß Material konfrontiert. Die Videomontage der Bilder von damals und heute interpretieren das historische Material und macht den „Stand“ (sanierungspolitisch, videotechnisch und gesellschaftlich/persönlich) sichtbar. Der Videopionier: Zu jeder Zeit etwas anderes ausprobieren. Der Videopionier von 1973 ist unterwegs. Das Experiment ist die Aufnahme selbst. Die Menschen, die er filmt, sind in Aktion. Neugierig beobachtet er den politischen Prozess. Er sammelt Beweise und versucht, mit dem aufgezeichneten Material sogleich aktiv auf den politischen Prozess Einfluss zu nehmen. Er grenzt sich ab von den öffentlichen Medien, will „Gegenöffentlichkeit“ sein. Aus der Hoffnung entsteht die Idee, dass das Sofortbild auch Sofortwirkung haben soll. 10 Jahre späte, im Jahr 1983, hat sich die Pionierleistung verlängert. Präzise Montage und Bildkompositionen sind die Arbeit des Videopioniers. Die im Jahr 1983 aufgenommenen Szenen sind nicht mehr dokumentarisch beobachtend, sondern Idee, Fiktion, inszenierte Situation. Die Betroffenen von damals sind die Schauspieler von heute. Die Kamera ist nicht mehr suchend und das Geschehen verfolgend, sie wird überlegt installiert und reflektiert schon in der Aufnahme Bildobjekt und –inhalt. Montage von altem und neuem Material. In der Frühphase 1973 wurde das alte Material- nach Amateurfilmart - gezeigt, wie es aufgenommen war. Alle Aufzeichnungen hatten ihren (moralischen) Wert als Beweise und sollten möglichst unberührt bleiben. In der Rückschau ändert sich die Gewichtung: aus Beweisen sind Dokumente geworden. Die neuen, farbigen Bilder sind in anderer, weiterführender Art experimentell: Aufnahe und Schnitt werden zusammengenommen. Das fertige Trickbild wird erst am Mischpult elektronisch komponierbar. Die originäre Filmidee wird so oft erst im Studio ins vorzeigbare Produkt übersetzt. Das Zusammennehmen von altem und neuem Material in einem Band ermöglicht auch, die neuen Bilder historisch wahrzunehmen. Neu und alt, Farbe und schwarz/weiß, Fernsehtechnik und Amateurfilm montiert der Film zu einem bewegten Standbild. Die Wechselwirkung erzeugt Spannung; sie vermag einen subjektiven und präzisen Ausschnitt der Sanierungs- und Videogeschichte aufzuzeichnen. Die Beschreibung eines Prozesses von persönlicher und gesellschaftlicher Veränderung, wie wir sie in dem Projekt zu verbinden gesucht haben, kann auf diese Weise bildhaft eingehalten werden.(Michaela-Elisabeth Büscher)
Extent: 01:00:00
URI: http://hdl.handle.net/10858/776

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